Indiens Sonnen- und Schattenseiten: 7 Blogger sprechen über ihre Tops und Flops in Indien

Wenn wir letztes Jahr mit anderen über unsere Weltreise gesprochen haben, waren die Reaktionen immer sehr aufgeschlossen. Ganz anders sah es schon aus, wenn wir unseren Zwischenstopp in Indien ankündigten. Es prasselten Fragen auf uns ein wie „Seid ihr euch da sicher?“, „Gibt es keine schöneren Länder?“, „Ist das nicht gefährlich?“.
Das negative Indien-Bild wurde darüber hinaus von Erzählungen geprägt, bei denen Backpacker nach einigen Tagen das Land wieder verlassen haben, weil sie es hier so schrecklich fanden.

Die Skepsis gegenüber den Subkontinenten hat uns dazu bewegt, sieben Reiseblogger nach ihren Top- und Flop-Erlebnissen in Indien zu befragen. Antworten haben wir von den folgenden großartigen Bloggern bekommen:

Jennifer und Peter von Glaarkshouse

Jennifer und Peter vom GlaarkshouseUnser absolutes Top-Erlebnis in Indien war vermutlich die über einige Monate dauernde Zeit im indischen Himalaya, ganz besonders im Spiti Valley – einem kaum bekannten tibetisch geprägten Tal, das nur in den Sommermonaten über eine äußerst abenteuerliche Hochgebirgsstraße zu erreichen ist. Spiti bleibt für uns durch seine außergewöhnliche Landschaft, die unglaublich warmherzigen Menschen und die gelebte buddhistische Kultur unvergesslich und will von uns auf jeden Fall zu einem späteren Zeitpunkt nochmals besucht werden.

Indien ist so vielseitig, bunt, abwechslungsreich und verrückt, dass jeder Tag ganz von allein zum Abenteuer wird, selbst wenn man nur ganz alltäglichen Tätigkeiten wie dem Einkaufen oder Tanken nachgeht. Daher hatten wir eher kein absolutes Flop-Erlebnis in diesem Land.

Der Straßenverkehr ist natürlich einfach „wahnsinnig“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber selbst daran gewöhnt man sich. Traurig gemacht hat uns dagegen vielerorts der Umgang mit dem Müll. Damit hatten wir selbst nach über einem Jahr in Indien immer wieder unsere Schwierigkeiten – und bis heute keine vernünftige Lösung, wie wir mit dem Verhalten dort umgehen können.

Glaarkshouse-im-Spiti-Valley

 

Sarah von Rapunzel will raus

Sarah Althaus von Rapunzel will rausGanz besonders begeistert hat mich der Besuch des Goldenen Tempels in Amritsar, welcher in der Nähe der pakistanischen Grenze liegt. Das Heiligtum der Sikhs ist Tag und Nacht bevölkert, total friedlich und die Stimmung ist entspannt. Es kann sogar im Tempel übernachtet werden, es gibt für alle gratis Essen und die Menschen dort sind neugierig, aber unheimlich freundlich. Die ganz spezielle Stimmung bei Morgengrauen werde ich nie vergessen. Außerdem ist es dort auch ganz einfach schön…

Ein Flop-Erlebnis gab es in Indien für mich nicht. Eigentlich hat mich alles restlos begeistert. Einzig unter dem Sitz des Dalai Lama, welcher in Dharamsala ist, habe ich mir etwas mehr vorgestellt. Auch dort ist es zwar ganz schön, aber niemals so speziell, wie ich es mir ausgemalt habe. Aber wie gesagt, ein Flop war das nicht.

Gibt es in Indien überhaupt Flops? Irgendwie ist dort doch alles so anders, so spannend, dass man die Erlebnisse dort kaum als misslungen bezeichnen kann.

amritsar

 

Stefan von Faszination Südostasien

Stefan DienerIm vergangenen Jahr war ich im Kanha Nationalpark. Dort nahm ich an mehreren Safaris teil. Das stellte alle meine bisherigen Natur- und Tiererlebnisse, die nicht Unterwasser stattgefunden, in den Schatten.

Es war einfach traumhaft. Zum Sonnenaufgang sind wir mit dem Jeep in den Park gefahren. Schon im ersten Licht des Tages wirkte die Landschaft bezaubernd. Wir sahen große Gruppen von Rehen, Hirschen und Wildschweinen sowie jede Menge Pfaue und Affen. Auch Tigerspuren konnten wir bereits entdecken.

Obwohl wir mehrfach lange warteten, dauerte es bis zum Nachmittag, bis es so weit war. Dann sahen wir einen großen Tiger etwa 50 Meter von uns aus dem Gebüsch kommen. Das war ein tolles Erlebnis. Und kurz danach gab es sogar noch das Sahnehäubchen, als auf dem Rückweg plötzlich ein Bär vor uns auf die Straße lief.

So ein richtiges Flop-Erlebnis hatte ich in Indien bisher noch nicht. Eher eine Reihe von kleineren nervigen Geschichten. Schlecht ging es mir eigentlich nur in Goa. Nachdem wir zuvor tagelang indisches Essen genossen und dabei nie Probleme gehabt hatten, erreichten wir den Palolem Beach. Dort gab es ein paar nette Bars mit Reggae-Musik und internationaler Speisekarte. Wir waren zu dritt und am nächsten Tag lagen wir alle mit Magen-Darm-Infektion flach. Obwohl wir alle was anderes gegessen hatten. Die folgenden zwei Tage verbrachte ich in unmittelbarer Nähe der Toilette. Im Grunde war das auch schon mein Indien-Flop. Ein tolles Land. Fahrt hin!

safari-kanha-nationalpark-fsoa

 

Simon von Um die Weltreise

fraenzi zuercher - simon zryd - um die WeltreiseDu liebst Indien oder du hasst Indien. So fühlt sich das Land für uns an. Wir haben uns noch nicht entschieden. Einerseits hat Indien unfassbar viel zu bieten: Kultur, liebenswerte Begegnungen und einmalige Sehenswürdigkeiten. So war unser Top-Erlebnis, auch wenn es langweilig klingt, der erste Anblick vom Taj Mahal.

Das Taj Mahal gehört auf eine Weltreise, es gleicht einem Sinnbild für Reisende. Jeder Reisende will es sehen. Viele sind enttäuscht, von den Menschenmassen und dem Tourismus. Uns hat es nur beeindruckt. Die Schönheit und imposante Größe ließ uns erschaudern.

Leider hat Indien, vor allem in den Städten, so viel Armut, dass sie für uns schwer zu ertragen war. Es sind nicht die Bettler oder Obdachlosen, wie wir sie überall antreffen. Indien ist überall mehrere Stufen tragischer. Die Leute kämpfen nicht um Essen, sie kämpfen ums nackte Überleben. Jugendliche, Kinder, Familien, Kleinkinder, sie weinen, schreien und flehen. Das muss dich zum  Nachdenken bringen.

taj mahal um die Weltreise

 

Oliver von Weltreiseforum und Sinograph

Oliver vom WeltreiseforumIndien ist für mich immer ein Wechselbad der Gefühle. An manchen Tagen hasse ich das Land, danach liebe ich es wieder, manchmal auch beides gleichzeitig.

Am zufriedensten war ich jeweils im bergigen Norden Indiens. Zum Beispiel im vollkommen entspannten Sikkim, aber auch im wundervollen Kulu-Tal mit seinen traditionellen Dörfern. Hier kann ich wandern, mich mit den Leuten unterhalten und das Leben ohne Hektik genießen.  Solche Momente sind für mich die Top-Erlebnisse.

Meine Flop-Erlebnisse hatten meistens mit der indischen Bürokratie zu tun, die so simple Dinge wie den Kauf einer SIM-Karte fürs Handy zu einem nervtötenden Spießrutenlauf werden lässt. Drei Mal musste ich mich mit Pass und einem indischen Bürgen registrieren lassen, drei Mal wurde die Verbindung nach weniger als einer Woche gekappt – bis mir ein anderer Tourist seine alte Karte schenkte. Ähnlich frustrierend ist nur noch der Kauf von Bahnfahrkarten.

nordindien-weltreiseforum

 

Andre von Indiana Backpacker

andre-indiana-backpackerIch hatte viele Top-Erlebnisse in Indien. Eines davon war Hampi. Der Ort hat alles, was mich flasht: viele Tempel, einen Fluss, Reisfelder und eine entspannte Backpacker-Atmosphäre. Am besten erkundest du die Tempel zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Viele Bauwerke hast du fast für dich allein. Ich verspreche dir: Du fühlst dich wie ein Entdecker. Wenn du noch mehr von der Gegend um Hampi sehen willst, kannst du dir ein Mofa mieten. Ein großes Highlight sind die vielen Aussichtspunkte auf den umliegenden Bergen. Von dort hast du einen super Ausblick auf die Landschaft und kannst die Sonnenuntergänge genießen.

Mein Flop-Erlebnis hatte ich in Delhi. Ein Schlepper brachte mich in ein Reisebüro. Dort sollte ich für eine zweiwöchige Rundreise durch Nordindien knapp 2.000 Euro bezahlen. Als ich ablehnte und das Reisebüro verließ, wurde ich von einem Mann verfolgt. Zum Glück konnte ich ihn abschütteln. Solche Situationen können in Nordindien vorkommen. Wer darauf mental vorbereitet ist, hat es einfacher.

 

Jasmin von Mira Mireau

Jasmin von Mira MireauNatur macht mich glücklicher und zufriedener denn je und Natur in Verbindung mit spannenden Geschichten eines Einheimischen, haben für mich mein perfektes Indien Erlebnis kreiert: die Drei-Tages-Kamelsafari in Jaisalmer. Drei Tage Wüste, drei Tage Hitze am Tag und Eiseskälte bei Nacht, drei Tage die Möglichkeit alles über Indien zu erfahren, was ich seit Monaten erfahren wollte, drei Tage mit einem Fremden, der meinen Indien Aufenthalt unvergesslich werden ließ. Einzigartig.

Auf der anderen Seite gab es leider viele Begegnungen mit Männern, die nicht sehr schön waren, so wie auch das Treffen auf eine Gruppe indischer Männer, die mir zunächst sehr nett und gebildet erschienen, doch ich schon bald vom Hotelmanager aufgefordert wurde sie zu verlassen, da sie schlecht über mich reden würden. Für mich komplett unbegreiflich, da ich absolut kein schlechtes Gefühl empfand, doch in der Nacht stellte sich heraus, dass er Recht besaß. Die Gruppe indischer Männer schlugen und traten gegen die Holzhütte in der ich schlief, um herein zu gelangen. Erst die Polizei und das Hotelpersonal konnten die Situation retten. Das Vertrauen gegenüber indischen Männern war jedoch erst einmal zerstört.

jaisalmer-mira-mireau

 

Licht und Schatten: Lohnt sich eine Reise nach Indien?

Wie du siehst: unter den Top-Erlebnissen der interviewten Blogger gab es kaum Überschneidungen. Das spricht für die unvorstellbare Vielfältigkeit Indiens. Für deine Indienreise kannst du dir folgende Highlights vormerken:

Unsere persönliche Ergänzung für diese Liste ist die Stadt Mysore. Du fühlst dich wie in einem Märchen von Tausendundeiner Nacht, wenn du durch den prunkvollen Palast im Stadtzentrum läufst. Noch stärker wird der Palast dich in seinen Bann ziehen, wenn am Abend tausende Glühbirnen die Fassade beleuchten.

Palast in Mysore

Nun haben wir diese Fragerunde auch gestartet, um den negativen Seiten Indiens auf den Grund zu gehen. Viele der beschriebenen negativen Erfahrungen hängen mit der Armut des Landes zusammen. Wer macht sich schon Gedanken über Recycling oder eine Kühlkette, wenn er jeden Tag ums Überleben kämpfen muss?

Die von Oliver beschriebenen Erfahrungen mit der lähmenden indischen Bürokratie können wir jetzt auch bestätigen. Erst in den letzten Tagen haben wir eine indische SIM-Karte beantragt und mussten dazu dreimal zum Vodafone-Store gehen.

Insgesamt mussten wir aber feststellen, dass sich die negativen Aspekte Indiens in Grenzen halten. Das deckt sich mit unseren Empfindungen. Wenn man sich auf die Gegebenheiten und ein anderes Wertesystem einstellt, kann man in Indien eine wundervolle Zeit haben. Damit zeigt sich die Wahrheit des Zitates von Aldous Huxley:

„Reisen ist das Entdecken, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken.“

Auffällig bei den Antworten ist, dass sich die Top-Erlebnisse fast alle im Norden abgespielt haben. Da wir bisher vor allem die südliche Hälfte Indiens gesehen haben, freuen wir uns jetzt umso mehr auf den Norden.

Zum Abschluss danken wir Stefan, Simon, Jennifer und Peter, Sarah, Andre, Jasmin und Oliver für die spannenden Antworten, die vielen Indien-Reisenden helfen werden.

Welche Erfahrungen hast du schon in Indien gesammelt? Was waren deine Highlights und in welchen Momenten hättest du das Land am liebsten sofort verlassen?
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15 Kommentare

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