Bylakuppe: Ein Tag in einem tibetischen Flüchtlingsdorf

Eine Station auf unserer Weltreise soll Tibet werden. Jedoch gibt es für Tibet einige Beschränkungen und man kann Tibet nur mit einem offiziell genehmigten Reiseführer betreten. Da diese Kosten unser Reisebudget übersteigt, wissen wir aktuell noch nicht, ob wir Tibet wirklich besuchen werden. Umso glücklicher waren wir, als Florian in einem Gastbeitrag ein tibetisches Flüchtlingsdorf in Indien empfohlen hat.

Also sind wir gestern nach Bylakuppe gefahren, um uns eine bessere Vorstellung von der tibetischen Kultur zu verschaffen. Von Mysore aus sind wir etwa 2,5 Stunden gefahren und dann von der Hauptstraße in Richtung Flüchtlingssiedlung gelaufen.

Schon sehr schnell kamen uns „chinesische Gesichter“ entgegen. In Bylakuppe wohnen etwa 10.000 Exiltibeter, die vor der chinesischen Besatzung Tibets geflohen sind. Die indische Regierung hat die Flüchtlinge an die aneinander grenzenden Dörfer Lugsum Samdupling (seit 1960) und Dickyi Larsoe (seit 1968) angesiedelt. Bylakuppe ist die größte tibetische Siedlung im Süden Indiens. Etwa ein Drittel der Tibeter hier sind Mönche.

Wir sind vorbeigelaufen an einem SOS Kinderdorf, den ersten Denkmälern, Gebetsmühlen und Hinweisschildern über den jüngsten politischen Häftling der Welt. Die Häuser und Bäume wurden mit bunten Fahnen geschmückt. Von weitern sahen wir goldene Dächer in der Sonne aufblitzen.

Zuerst haben wir einen relativ kleinen buddhistischen Tempel angesteuert. Am Eingang standen drei Tibeter, die eine Gebetsmühle drehten. Sie ließen uns auf das Gelände und haben extra für uns den Tempel geöffnet. Schon bei diesem farbenfrohen Anblick waren wir voll begeistert.

Weiter ging es mit einem Tuk Tuk zum Goldenen Tempel. Davor haben wir noch typisch tibetische Momos gegessen. Das Essen hat Erinnerungen an meine letzte China-Reise hochgerufen und ich freue mich schon jetzt, wenn wir wieder ins Reich der Mitte fahren.

Der Goldene Tempel im Namdroling-Kloster

Schließlich haben wir in Bylakuppe das Namdroling Kloster betreten, in dem sich der Goldene Tempel befindet. Am Eingang sieht man Wohnblöcke der Mönche. Doch es haut einem von den Socken, wenn man den ersten Blick auf die Tempelanlage wirft: Es taucht ein riesiges Gebäude mit goldenem Dach, großem Dalai Lama-Foto und unzähligen Figuren auf. Allein dafür hat sich schon der Weg hierher gelohnt.

Links daneben befindet sich der Goldene Tempel. Vor allem das Innere des Tempels ist wunderschön. Beim Betreten des Goldenen Tempels stockt einem der Atem. Drei riesige vergoldete Statuen empfangen die Besucher in der majestätisch wirkenden Halle. Drachen erklimmen die Säulen im Raum.

Die Wände sind bunt bemalt. Die Gemälde portraitieren unter anderem das Leben des Buddhas und zeigen die 25 Schüler von Padmasambhava. Ein tantrischer Einfluss ist nicht zu verkennen.

Die vergoldeten Statuen bestehen aus Kupfer und zeigen in der Mitte Buddha Shakyamuni. Links davon sitzt Buddha Padmasambhava und rechts Buddha Amitayus. Die Statuen sind etwa 18 Meter hoch und es befinden sich Skripte, kleine Stupas und weitere kleine Statuen im Inneren.

Buddha ShakyamuniBuddha Shakyamuni gilt als Begründer des Buddhismus und soll 563 v. Christus im heutigen Nepal geboren sein. Bekannter ist er unter seinem Kindernamen Siddhartha Gautama. Buddha Shakyamuni ist ein Ehrenname. Der junge Prinz hat im Alter von 29 Jahren den Luxus des Palastes hinter sich gelassen, um einen Weg aus dem ewigen Kreislauf von Leben und Tod zu finden. Nach seiner Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum verkündete er 45 Jahre lang die buddhistischen Lehren.
Buddha PadmasambhavaPadmasambhava bedeutet Lotosgeborener, was verdeutlichen soll, dass er nicht von einer Frau geboren wurde, sondern auf einer Lotospflanze das Licht der Welt erblickt hat. Er ist auch unter dem Namen Guru Rinpoche bekannt. Trisong Detsen, der 38. König von Tibet, soll Guru Rinpoche nach Tibet eingeladen haben. Mit tantrischen Kräften soll er böse Dämonen bekämpft haben, um schließlich den Buddhismus im Schneeland zu verbreiten. Tibeter verehren ihn als zweiten Buddha.
Buddha AmitayusDurch Buddha Amitayus soll es möglich sein, dass man sein Leben verlängert. Dazu muss man den Namen des Buddhas hören, seine Schriften berühren, seinen Namen und Mantren rezitieren. Wer eine Statue von Buddha Amitayus errichtet, soll vor dem Teufel und dämonischen Schäden bewahrt werden. Im tibetischen Buddhismus gilt Amitayus als der Urbuddha der Lotosfamilie. Er residiert in einem der Reinen Länder, in das ein Tibeter wiedergeboren werden möchte.

Auch die anderen Gebäude sind wunderschön, auch wenn die Dimensionen kleiner ausfallen. Für uns war es allerdings auch besonders, die Tibeter bei ihrer Religionsausübung zu beobachten. In einer Halle haben hunderte Mönche zusammen gesungen und gebetet. In einem anderen Gebäude mischte sich der Klang uns unbekannter Instrumente unter die Gebete.

Fakten für eine Tagestour nach Bylakuppe

Einen Ausflug nach Bylakuppe im Bundesstaat Karnataka können wir von ganzem Herzen empfehlen. Wenn auch du Bylakuppe besuchen möchtest, haben wir hier noch die wichtigsten Fakten für dich zusammengestellt:

  • Anfahrt: Am besten mit dem Bus von Mysore aus. Bus fährt aller 10 Minuten vom Suburban Busbahnhof (Plattform 7) und braucht etwa 2,5 Stunden. Fahrtkosten liegen pro Person bei etwa 160 Rupien für Hin- und Rückweg. Von der Haltestelle zu den Tempeln empfiehlt es sich, ein Tuk Tuk zu nehmen.
  • Kleidung: Wie in jedem Kloster sollte man auf angemessene Kleidung achten. Schultern und Knie sollten bedeckt sein und Schuhe müssen draußen bleiben.
  • Eintritt: Der Eintritt in die Tempelanlagen ist kostenlos möglich. Die Abgabe von Schuhen kostet zwei Rupien pro Paar. Eine kleine Spende sollte aber drin sein. Sammelboxen gibt es dafür im Namdroling Kloster. Auch in anderen Tempeln kann man eine Spende hinterlassen.
  • Übernachten: In Bylakuppe darf man nur mit einer bestimmten Genehmigung übernachten, die man in Delhi beantragen muss. Diese Prozedur kann bis zu fünf Monate dauern, wobei die Genehmigung wohl häufig verweigert wird. Mehr Informationen dazu gibt es auf dieser Website.
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Ich kenne keinen sicheren Weg zum Erfolg, aber einen sicheren Weg zum Misserfolg: es allen Recht machen zu wollen.

Platon