Backpacking Brasilien: Abenteuer und Urlaub rund um Rio de Janeiro (Route für 3 Wochen)

Caroline-Beer-BrasilienBrasilien ist eines unserer Wunschländer, das wir auf unserer Weltreise unbedingt besuchen wollen. Eine Freundin aus Schulzeiten kam uns nun zuvor. Caro hat in drei Wochen als Backpackerin das südamerikanische Land bereist. In diesem Artikel erzählt sie von ihrer Reise und gibt dir viele tolle Tipps für dein Brasilien-Abenteuer.

Von Brasilien hört man hierzulande aktuell eher negative Schlagzeilen. In der aufgeheizten Stimmung um den Korruptionsskandal kurz vor den olympischen Spielen trat ich einen 3-wöchigen Trip in das riesige Land in Südamerika an. Denn das Land überzeugt mit viel Freundlichkeit, Lebenslust, Authentizität und auch mit ein bisschen Chaos.

Hier möchte ich dir nun einige Vorschläge zur Route, Tipps zur Sicherheit und zum Verhalten in Brasilien geben.

Brasilien lernte ich in diesen 3 Wochen als Land kennen, in dem einfach alles möglich ist. Positives wie Negatives. Vorweg all die negativen Ereignisse, mit denen ich klarkommen musste, und mit denen du in Brasilien rechnen solltest: Kreditkartendaten werden sehr oft über Bankautomaten oder andere Lesegeräte gestohlen. Leere Straßen solltest du grundlegend meiden, auch bei Tag, wenn du dich in einer sicheren Kleinstadt bewegst.

Viele Freunde warnten mich, als junge Frau alleine in ein Land zu reisen, bei dem Entführungen und Gewalt an der Tagesordnung stehen. Wenn du das weißt und immer vorsichtig bist, kannst du ganz in Ruhe Stadt und Land erkunden. Den typischen Touristen mit Socken in den Sandalen und umgehängter Kamera solltest du nicht abgeben. Allein ein großer Rucksack ist in Brasilien auffällig genug. Angst brauchst du jedoch nicht haben, wenn du meine Tipps beachtest.

Tipps für deine Brasilien-Reise

Es hilft natürlich, wenn du wenigstens ein bisschen Portugiesisch sprichst und verstehst. Mein Sprachlevel reichte, um nach dem Weg zu fragen und einen Plausch mit dem Taxifahrer zu halten. Auch Spanisch hilft sehr, um sich mit anderen Touristen – meist aus Chile und Argentinien – auszutauschen. Allein mit Englisch kommst du nicht sehr weit, wenn du dich in weniger touristischen Gebieten aufhältst.

Wenn du dich in der Großstadt verläufst, solltest du nicht gleich auf der Straße nach dem Weg fragen, sondern in Läden oder Restaurants. Das beste Outfit ist, um sich an die inländische Bevölkerung anzupassen: ein T-Shirt/Top, Shorts und ein paar Flip-Flops oder Turnschuhe. Für kühlere Tage im Süden gehen auch Jeans. Die Kleidung sollte sauber und gepflegt sein, aber auch nicht zu schick. Vermeide auffällige Drucke oder Modeschmuck. Ein wenig Geld und die Passkopie verstaust du am besten in den vorderen Hosentaschen. Eine extra Bauch-Tasche, die du unter der Kleidung tragen kannst, brauchst du nicht unbedingt. Für Wasser, Kamera und Stadtplan kannst du eine kleine Tasche oder einen Tagesrucksack mitnehmen. Mit diesem Outfit bist du dann auch bereit, um das berühmte Rio de Janeiro und auch den Rest des Landes zu entdecken!

Aufgrund der Größe des Landes ist es sinnvoller sich in drei Wochen auf eine bestimmte Region zu beschränken. Ich habe mich für Rio de Janeiro und das Umland bis in den Süden von São Paulo entschieden, da ich für den Norden und Süden separate Trips plane.

Brasilien_Rio-de-Janeiro_Zuckerhut

Tag 1-4: Rio de Janeiro entdecken

Rio de Janeiro ist wirklich einen oder mehrere Besuche wert. Für eine 3-wöchige Backpacking-Reise solltest du in der Stadt mindestens 5 Tage einplanen.

Günstige Hostels gibt es genug (5-20€ die Nacht inkl. Frühstück). Am angenehmsten fand ich die Lage in Botafogo, dem Stadtteil Rios, der bekannt für seine vielen Restaurants ist. Es ist etwas ruhiger als Copacabana und durch weniger Touristen auch meiner Meinung nach sicherer. Das Meiai Hostel oder das Gaia Comfort Hostel kann ich dort empfehlen. Mit der Metro bist du schnell im Stadtzentrum oder auch an der Copacabana und in Ipanema (pro Fahrt R$3,80).
Diese berühmten Strände sind schön anzusehen und laden zum Flanieren und Sonnen ein. Sie sind zum Baden allerdings weniger geeignet. Das Wasser ist sehr verschmutzt und riecht auch nicht sehr einladend.

Meine Highlights der Stadt: der Sonnenuntergang in Ipanema auf dem Felsen von Arpoador, der Nachmittag/Abend auf dem Zuckerhut (ca. 17€ mit der Seilbahn), Strandspaziergänge und Bummel in Ipanema und Copacabana sowie die frisch gepressten Säfte aus tropischen Früchten (natural, ohne Zucker).

Viele der Sehenswürdigkeiten in Rio de Janeiro kannst du auch mit einer geführten Tour erkunden.

Bei einem Bummel oder einer Walking Tour durch das Stadtzentrum kannst du Gebäude aus Kolonialzeiten neben modernsten Wolkenkratzern bewundern. Besonders schön fand ich die alten Häuser zwischen der Station Uruguaiana und dem Praça Mauá an den kleineren Straßen. Für sehr heiße Tage bieten sich klimatisierte Shopping Malls oder Museen an. Abends kannst du außerdem in Lapa ausgehen.

Das Zentrum von Rio und São Paulo solltest du an Wochenenden und abends meiden.

Hast du Glück, siehst du kleine Affen und Tukane in den Straßen von Rio de Janeiro. Im botanischen Garten (R$10) hast du größere Chancen diese zu entdecken. Favelas solltest du nur mit Guide besuchen. Generell sehe ich Favela-Besuche durch das Eingreifen der Regierung sehr kritisch und habe dies eher vermieden. Wenn du mit dem Bus oder Taxi vom und zum internationalen Flughafen in Rio de Janeiro unterwegs bist, bekommst du den ein oder anderen Einblick in die umgebenden Favelas.

Tag 5-7: Urlaub in Búzios

Badestrände und nette Cafés sowie tolle Schnorchelplätze findest du nur drei Stunden von Rio entfernt in Búzios. Dort ist besonders die Rua das Petras schön zum Schlendern und du findest günstige Restaurants mit Live-Musik. Das „Carioca“ lockte mit leckerem frischen Essen und Bossa Nova; die Strandrestaurants bieten frische Fischgerichte an. Ich kann das Nomad Seashore Hostel sehr empfehlen, das Meerblick und auch einige Touren bietet.

Die etwas weiter entfernten Traumstrände und das türkisblaue Wasser kannst du in einer Tagestour mit dem Schoner entdecken (R$130, Restaurantbesuch, Bus und Boot sowie Wasser an Bord inkl.). Die ein oder andere Meeresschildkröte schaut in Arraial do Cabo auch vorbei.

Tag 8-13: Regenwald-Idylle auf Ilha Grande

Entspannen und ganz Öko-Tourist sein, das funktioniert prima auf Ilha Grande, ca. drei Stunden von Rio entfernt. Die Insel wurde früher von Indigenen bewohnt, auch ein Gefängnis und die Ruinen eines Lazaretts sowie ein altes Aquädukt findest du dort. Viele Wanderwege durch den Regenwald bringen dich zu den schönsten Stränden der Insel. Verschiedene Agenturen bieten Boots- und Schnorcheltouren zu den weiter entfernten Lagunen und Stränden an (ca. R$90-150). Die Wanderungen lohnen sich aber: So kannst du auf dem Weg zum Praia Feiticeira natürliche Pools und einen Wasserfall entdecken und siehst mit etwas Glück auch einige Affen (Hinweg ca. 1,5 Stunden; zurück kannst du ein Taxiboot nehmen, ca. R$20).

Eine etwas längere Wanderung (ca. 2,5-3 Stunden Hinweg) führt an den Stränden Palmas und Pouso vorbei, wo du zwischendurch baden und dich mit frischem Kokoswasser erfrischen kannst, zum Strand Lopes Mendes. Dieser breite weiße Sandstrand bietet Surfern tolle Wellen und auch genügend Schatten. Glasklares Wasser und die von Wald bewachsenen umliegenden Berge überzeugen und lassen dich glauben, am schönsten Strand der Welt zu sein. Nach dem Lärm von Rio de Janeiro ist dies eine schöne Möglichkeit zu entspannen und die Seele in der Hängematte baumeln zu lassen.

Das Inselparadies erreichst du mit dem Boot von mehreren Städten aus (am günstigsten von Angra dos Reis, R$15, ca. 1,5h; schneller von Conceição de Jacareí in ca. 30min). Viele Agenturen bieten Transfers von Paraty oder Rio mit Bus und Boot (beispielsweise easytransfer). Dieser Transfer kostet aber auch mehr (bspw. R$80 von Paraty nach Ilha Grande) als wenn du Bus und Fähre einzeln buchst (Colitur-Busse kannst du nur im Bus bezahlen, Fahrplan beachten).

Genügend Bargeld für Hostel/Hotel und Restaurants solltest du vorher abheben, da es auf der Insel keine Geldautomaten gibt. Außerdem regnet es in den Abendstunden häufig und viel. Ein Regenjacke oder -schirm sind da hilfreich. Das feuchte Klima hindert deine Sachen dann auch hartnäckig daran, auf der Leine zu trocknen. Ich habe fünf Nächte auf der Insel im Sitio Green Hostel verbracht und hätte noch länger bleiben können. Das Hostel ist etwas schwieriger zu finden, denn es liegt ca. 10 Minuten vom Ort entfernt mitten im Regenwald. Umgeben von Obstbäumen und den verschiedensten Tiergeräuschen kannst du den ein oder anderen regnerischen Abend entspannt in der Hängematte verbringen.

Tag 14-17: Paraty genießen

Das nahe gelegene Kolonialstädtchen Paraty an der Costa Verde bietet Entspannung und Abenteuer. Die Küste im Südwesten von Rio heißt nicht umsonst so. Du bist umgeben von Bergen und atlantischem Regenwald. Die Kolonialbauten in Paraty gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und sind wirklich mehrere Spaziergänge wert.

Besonders nach dem Regen bietet sich ein schönes Bild. Von Paraty aus kannst du verschiedene Wasserfälle und natürliche Rutschen im Wald und Cachaça-Destillerien besuchen (Jeep-Tour ca. R$70). Das Städtchen ist für seinen fantastischen Zuckerrohrschnaps, aus dem auch der Caipirinha gemacht wird, bekannt. Auch ein Bootsausflug oder eine Kayak-Tour zu den umliegenden kleinen Inseln lohnt sich, um die Tierwelt und die Landschaft zu entdecken.

Tag 18-21: Kultur in São Paulo

Von Rio aus kannst du den Flieger nach São Paulo oder weiter in den Norden nehmen. Von Paraty aus bietet es sich auch an, einen Bus nach São Paulo zu nehmen und von dort dann weiter zu reisen.

São Paulo als riesige Metropole hat nur wenig zu bieten. Man kann sehr gut essen gehen und der Blick auf die Stadt bei Tag und bei Nacht ist faszinierend. Auch zum Shoppen laden etliche Shopping-Malls ein. Im Viertel Liberdade kannst du wunderbar Japanisch essen, da dort tausende Japaner wohnen. Eine Fahrt mit dem Bus durch das Zentrum lohnt sich, um die Vielfalt auf relativ sichere Art zu sehen. Besonders gefielen mir die Graffitis und die modernen Hochhäuser. Allerdings sind die Wege recht lang und in der Rush Hour kann man schon mal etwas länger für den Heimweg benötigen. Verhältnismäßig sicher ist es auch, wenn du mit einem Reiseleiter die Stadt besichtigst.

Die Galerie Pinacoteca beeindruckte mich von den Museen am meisten mit ihren Landschaftsgemälden aus Nord- und Südamerika (Eintritt R$6). Das MASP ist dagegen überteuert und zeigt nur wenige Bilder (dafür aber sehr berühmte von Cezanne, Picasso etc., R$25). Vorher solltest du dich auf den Internetseiten über temporäre Ausstellungen informieren. Das MIS zeigte im März beispielsweise eine Ausstellung zum Regisseur und Produzent Tim Burton.

Der Parque Ibirapuera ist inmitten der Großstadt eine wunderbare Abwechslung. Hier kannst du wirklich alle Gruppen der Gesellschaft antreffen, die wie fast alle Brasilianer sportlich unterwegs sind. Ein Wochenendspaziergang lohnt sich. Dort findest du auch das Museu Afro Brasil, das samstags freien Eintritt bietet.

Unbedingt probieren: die frisch gepressten Säfte, Tapioca vom Straßenstrand (mit Banane und Zimt – banana e canela), Picanha im Restaurant (am besten zu zweit oder dritt bestellen, da die Portion zu groß ist), Kilo-Restaurants (super billig und du kannst dich einfach vom Buffet auftun und unbekannte Sachen probieren), Churrasco (Gegrilltes) und das Nationalgericht Feijoada

Unbedingt mitnehmen oder vor Ort kaufen: Sonnencreme (LSF 50 oder 60), Mückenspray & Sonnenhut (bzw. Buff-Multifunktionstuch)

Reisebudget für Brasilien

Das Land an sich kann sehr günstig sein, wenn du willst, kannst du aber auch viel Geld ausgeben. Ich habe in günstigen Hostel-Dorms übernachtet und in mittelklassigen guten Restaurants gegessen und öfter das Taxi oder die Metro dem Bus vorgezogen. Du solltest mit Transfers und Touren, Übernachtung, Verpflegung und Eintritten mit mindestens 1.000€ pro Person für die 3 Wochen rechnen. Flüge bekommt man mit Glück ab 500€.

Ein Versprechen: Deine Reise wird in Brasilien auf jeden Fall ein Abenteuer!

Warst du schon mal in Südamerika und welche Erfahrungen hast du dort gemacht? Was sind deine Brasilien-Tipps?
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