EU-weite Drohnen-Regeln: Klassen der Fluggeräte einfach erklärt

Drohnen-Klassen der EU

Mit der Harmonisierung der Drohnen-Regeln innerhalb Europas hat die EU eine Einteilung von unbemannten Fluggeräten in unterschiedliche Drohnen-Klassen vorgenommen.

Ich möchte in diesem Beitrag möglichst einfach erklären, welche Kriterien bei der Klassifizierung eine Rolle spielen und welche Auswirkungen die Klassen auf den Betrieb von Drohnen haben.

Die EU-weiten Regeln müssen erst zum ersten Juli 2020 befolgt werden. Dieser Artikel gibt einen Ausblick auf die kommende Regulierung, jedoch sind noch nicht alle Feinheiten für die praktische Umsetzung der EU-Verordnungen geklärt. Die nationalen Behörden haben bis zum Sommer 2020 Zeit, die offenen Fragen zu klären. Bis dahin erhebt der Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für ein besseres Verständnis solltest du unbedingt zuerst den Übersichtsartikel zu den europäischen Drohnen-Gesetzen lesen.

Die gute Nachricht für uns Anwender ist, dass die Hersteller verpflichtet sind, die Klasse der Drohne auf dem Fluggerät anzubringen. Somit müssen wir uns also nicht in die technischen Details einarbeiten, bevor wir uns für den Kauf einer Drohne entscheiden. Die Drohnen-Klasse ist eindeutig festgelegt und bietet keinen Spielraum für Interpretationen.

Die EU hat fünf Klassen festgelegt:

  • C0
  • C1
  • C2
  • C3
  • C4

Klassen der Fluggeräte in der Übersicht

Je höher die Zahl der Klasse ist, desto größer ist das Risiko beim Betrieb der Drohne. Für jede Klasse gibt es unterschiedliche technische Anforderungen (z.B. Gewicht und Lärmpegel). Eine Übersicht zu den Spezifikationen findest du in der folgenden Tabelle, wobei ich hier nur die relevantesten Bestimmungen aufgenommen habe.

Spezifikation C0 C1 C2 C3 C4
Gewicht < 250 g < 900 g oder Energie < 80 J < 4 kg < 25 kg < 25 kg
Max. Geschwindigkeit 19 m/s 19 m/s      
Fernidentifizierung notwendig? nein ja Ja ja nein
Max. Flughöhe 120 Meter 120 Meter oder einstellbares Höhenlimit 120 Meter oder einstellbares Höhenlimit 120 Meter oder einstellbares Höhenlimit  
Geo-Sensibilisierung notwendig? nein  ja ja ja nein
Zulässige Manöver in der offenen Kategorie A1 A1 A2, A3 A3 A3
Besonderheiten   „Langsam-Flugmodus“ erforderlich Abmessung geringer als 3 Meter Keine automatischen Steuerungsmodi

Drohnen die vor dem 01.07.2022 in den Verkehr gebracht wurden (also erstmals vom Händler verkauft), zählen nicht in die oben genannten Klassen und dürfen mit Einschränkungen auch weiterhin in der Offenen Kategorie (Fluggeräte unter 250 Gramm in der Unterkategorie A1, Geräte unter 25 kg in A3) genutzt werden.

Auch wer eine Drohne selber bauen möchte, muss die oben genannten Klassen nicht erfüllen, hat jedoch andere Bestimmungen einzuhalten.

Die meisten Drohnen mit Kamera werden in die Klassen C1, C2 und C3 fallen. Diese Modelle sollen zukünftig mit Systemen zur Fernidentifizierung und zur Geo-Sensibilisierung ausgerüstet sein.

Die Fernidentifizierung

Unter der Fernidentifizierung ist ein System zu verstehen, bei dem die Drohne während des Fluges regelmäßig aktuelle Flugdaten aussendet. Jeder Interessierte im Sendebereich erhält mit seinem Smartphone somit Zugriff auf die folgenden Daten:

  • UAS-Betreiber-Nummer
  • Seriennummer
  • Positionsdaten und aktuelle Flughöhe
  • Flugrichtung
  • Fluggeschwindigkeit
  • Position des Piloten (falls nicht möglich, wird der Startpunkt übermittelt)

Damit dürfte die Verfolgung bei Verstößen sehr viel einfacher werden.

Das Geo-Sensibilisierungssystem

Einen wirklich guten Vorstoß finde ich, dass die Mitgliedsstaaten zukünftig verbindliche Daten zu Flugverbotszonen und Flugbeschränkungsgebieten zur Verfügung stellen müssen. Diese Daten werden dann europaweit im gleichen Format zur Verfügung gestellt. Drohnen der Klassen C1, C2 und C3 müssen diese Informationen zukünftig abrufen und dem Piloten vor dem Start ggf. Warnhinweise anzeigen. Piloten sind verpflichtet, stets die aktuellste Version der Datenbank herunterzuladen.

Ich hoffe, dass das Geo-Sensibilisierungssystem neben den Lufträumen auch andere Zonen wie Naturschutzgebiete berücksichtigen wird.

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Über den Autor

Hey, ich bin Francis – Weltenbummler, Blogger und Drohnenpilot. Seit Januar 2015 reise ich mit Bina um die Welt. Immer im Gepäck ist eine Kamera-Drohne, mit der wir die schönsten Plätze aus der Luft festhalten. Auf unserem Blog teilen wir mit dir die besten Tipps für deine nächste Reise. Hast du noch Fragen zu diesem Artikel? Dann schreibe uns doch in den Kommentaren!

Diskussionen zum Thema

  • Marco | 19.06.2019

    Hi Ihr beiden,

    vielen Dank für eure unfassbare Mühe und tollen Beiträge!!!!!

    Sagt mal, ich lese hier gar nichts mehr von einem Kenntnisnachweis. Wird der quasi nur noch für Deutschland benötigt?

    Viele Grüße

    Marco aus Norderstedt

    • Francis | 21.06.2019

      Hallo Marco,
      vielen Dank für dein freundliches Feedback – das freut uns sehr! :)
      Den Kenntnisnachweis wird es als Online-Prüfung auch zukünftig geben, wohl in verschiedenen Abstufungen. Dazu findest du hier bei den Unterkategorien mehr: https://my-road.de/drohnen-offene-kategorie/ Wie das genau aussehen wird, steht aber noch nicht fest. Ich vermute, dass das System aus anerkannten Stellen beibehalten wird.
      Beste Grüße, Francis

  • Christian | 28.06.2019

    Hallo Francis,

    Diese Info ist leider fehlerhaft: „…Auch wer eine Drohne selber bauen möchte, kann sich ohne Bedenken ausleben und muss die oben genannten Klassen nicht erfüllen….“

    Zum einen ist Selbstbau genau beschrieben, dazu zählen keine Komplett-Bausätze eines Herstellers, alles andere fällt unter Selbstbau z.b. modifizierte Kopter.
    Auch Selbstbauer unterliegen Vorgaben:
    1. Selbstbau bis 250g und unter 19 m/s Fluggeschwindigkeit darf in der Kategorie A1 geflogen werden.
    2. Selbstbau über 250g bis 25kg oder über 19 m/s Fluggeschwindigkeit darf nur in der Kategorie A3 geflogen werden.

    Es fehlt auch noch eine weitere Frist die zwischen 01.07.2020 und 01.07.2022 gilt:
    1. UAS bis 500g die Vorgaben der CE-Klassifizierung nicht erfüllen, dürfen in A1 gesteuert werden, vorausgesetzt der Pilot erfüllt die Kenntnisse für C0-C1 für A1.
    2. UAS bis 2000g die die Vorgaben der CE-Klassifizierung nicht erfüllen, dürfen in A2 gesteuert werden, vorausgesetzt der Pilot erfüllt die Kenntnisse für C2 für A2, zusätzlich gilt ein Mindestseitenabstand von 50m zu Einzelperson!
    3. 1. UAS über 2kg bis 25kg die Vorgaben der CE-Klassifizierung nicht erfüllen, dürfen in A3 gesteuert werden, vorausgesetzt der Pilot erfüllt die Kenntnisse für C3-C4 für A3.

    Gruß Christian

    • Francis | 29.06.2019

      Hallo Christian,
      da hast du natürlich vollkommen recht – da war ich in der Eifer des Gefechtes etwas nachlässig. Zu Selbstbauten will ich noch einen eigenen Beitrag verfassen, weshalb ich das an der Stelle nicht so vertieft habe, wie es sein müsste. Tut mir leid!

      Die anderen Punkte finden sich hier wieder: https://my-road.de/drohnen-offene-kategorie/
      Jedoch unterscheiden sich meine Informationen zu den Gewichtsklassen ein wenig. Ich habe auch eben nochmal nachgeschaut. Könntest du mir deine Quelle vielleicht mal zukommen lassen, damit ich das überprüfen kann?

      Danke dir auf jeden Fall für deinen Hinweis und deine Mithilfe!
      Sonnige Grüße,
      Francis

  • Ansgar | 08.09.2019

    Vielen herzlichen Dank für die gute Zusammenfassung. Eine Frage drängt sich mir auf: bestehende Drohnen kann ich also in „offen“ weiterfliegen, bei einer Inspire dann wohl in der Unterkategorie A3 (soweit liege ich richtig?). Was bedeuten aber die Verpflichtung Fernidentifizierung jetzt für Bestandsdrohnen? Gibt es da eine Umrüstungspflicht? Was das alles für die Inhalte neuer Schulungen/Trainings bedeutet ist wohl auch noch völlig unklar, oder?

  • Christian | 08.09.2019

    Hallo Francis, das steht in der EU-Verordnung unter Artikel 20: Besondere Bestimmungen für den Einsatz bestimmter UAS in der „offenen“ Kategorie
    UAS-Arten im Sinne des Beschlusses Nr. 768/2008/EG des Europäischen Parlaments und des Rates (9), die der Delegierten Verordnung (EU) 2019/945 nicht genügen und die nicht privat hergestellt sind, dürfen unter den folgenden Bedingungen weiter betrieben werden, sofern sie vor dem 1. Juli 2022 in Verkehr gebracht wurden:
    a) in Unterkategorie A1 nach Teil A des Anhangs, sofern das unbemannte Luftfahrzeug, einschließlich Nutzlast, eine höchstzulässige Startmasse von weniger als 250 g hat;
    b) in Unterkategorie A3 nach Teil A des Anhangs, sofern das unbemannte Luftfahrzeug, einschließlich Nutzlast, eine höchstzulässige Startmasse von weniger als 25 kg hat.

    und Artikel 22: Übergangsbestimmungen
    Unbeschadet des Artikels 20 wird der Einsatz von UAS in der „offenen“ Kategorie, die den Anforderungen von Teil 1 bis 5 des Anhangs der Delegierten Verordnung (EU) 2019/945 nicht genügen, unter den nachstehenden Bedingungen für einen Übergangszeitraum von zwei Jahren gestattet, der ein Jahr nach Inkrafttreten dieser Verordnung beginnt:
    a) unbemannte Luftfahrzeuge mit einer höchstzulässigen Startmasse von weniger als 500 g, die von einem Fernpiloten, der das von dem betreffenden Mitgliedstaat festgelegte Kompetenzniveau erfüllt, im Rahmen der betrieblichen Anforderungen in Punkt UAS.OPEN.020(1) von Teil A des Anhangs betrieben werden;
    b) unbemannte Luftfahrzeuge mit einer höchstzulässigen Startmasse von weniger als 2 kg, die von einem Fernpiloten, dessen Kompetenzniveau dem in Punkt UAS.OPEN.030(2) von Teil A des Anhangs mindestens gleichwertig ist, unter Einhaltung eines horizontalen Mindestabstands von 50 m zu Menschen betrieben werden;
    c) unbemannte Luftfahrzeuge mit einer höchstzulässigen Startmasse von über 2 kg und weniger als 25 kg, die von einem Fernpiloten, dessen Kompetenzniveau dem in Punkt UAS.OPEN.020(4)(b) von Teil A des Anhangs mindestens gleichwertig ist, im Rahmen der betrieblichen Anforderungen in Punkt UAS.OPEN.040(1) und (2) betrieben werden. L 152/58 DE Amtsblatt der Europäischen Union 11.6.2019 (9) Beschluss Nr. 768/2008/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. Juli 2008 über einen gemeinsamen Rechtsrahmen für die Vermarktung von Produkten und zur Aufhebung des Beschlusses 93/465/EWG des Rates (ABl. L 218 vom 13.8.2008, S. 82).

  • Christian | 08.09.2019

    Hallo Ansgar, eine Inspire wiegt über 2kg, also darf man damit ab dem 01.07.2020 nur im Bereich von A3 fliegen:
    1. Mindestseitenanstand zu unbeteiligten Einzelpersonen min. 50m – 150m um eine Gefährdung auszuschliessen.
    2. Horizontalen Sicherheitsabstand von mindestens 150 m zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- oder Erholungsgebieten.

    Es ist natürlich auch davon abhängig, ob diese vielleicht auch durch DJI als C2 nachklassifiziert werden kann.
    Die Inspire wiegt unter 4kg, bräuchte aber noch einen zuschaltbaren Langsamflugmodus mit <= 3m/s und die direkte Fernidentifizierung.

    Ab dem 01.07.2022 gilt grundsätzlich, möchte man im Bereich von A2 fliegen, muss das UAS die EU-Vorgaben erfüllt werden.
    Die Übergangfrist gilt nur vom 01.07.2020 bis 01.07.2022

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