Sri Lanka: Zwischen Gastfreundlichkeit und Geschäftssinn

Tuk Tuk in KandyIn Kandy habe ich es langsam aber sicher geschafft. Ich begreife nun, dass wir hier auf einer Weltreise sind. Die Großstadt Colombo hatte nicht so viel Reiz, dass mich das Reisefieber gepackt hätte. Kandy liegt in den Bergen und ist schon dadurch viel charmanter als die Hauptstadt. Im Zentrum liegen ein großer See und ein großer buddhistischer Tempel. Ich fühle richtig, wie die Reise-Euphorie hier von Tag zu Tag in mir ansteigt.

Dennoch gibt es etwas, was uns beide ganz schön nervt und uns vor eine menschliche Herausforderung stellt. Auf den ersten Blick sind hier alle Menschen total freundlich. Sie erkundigen sich, wo wir hin wollen, wo wir her kommen, in welchem Hotel wir wohnen, was wir morgen geplant haben. An sich netter Small Talk, um in ein Gespräch einzusteigen. Blöd ist nur, dass man – egal welche Antwort man gibt – sofort geführte Touren oder ein Hotelzimmer angeboten bekommt. Die erste Frage diente nur dazu, unseren Bedarf abzutasten. Selbst wenn wir schon direkt vor unserer Unterkunft stehen, bieten uns die Tuk Tuk-Fahrer noch ihre Dienste für die letzten Meter für ein paar Rupien an. Auch wenn wir schon eine Unterkunft haben, wird trotzdem noch 5 Minuten versucht, uns ein anderes Zimmer anzudrehen.

Diese Gespräche laufen immer sehr nett ab. Daher ist es schwer, sich ohne unhöfliches Verhalten von den Herren zu verabschieden. So hatte mir zum Beispiel auf einer Aussichtsplattform in Kandy ein älterer Mann ein T-Shirt verkaufen wollen. Bei seinem ersten Versuch habe ich nein gesagt. Beim zweiten Versuch habe ich gesagt, dass ich genug T-Shirts habe. Beim dritten Anlauf habe ich wieder einfach nur „nein danke“ gesagt. Beim vierten und fünften Versuch hat er mich dann gefragt, ob mir seine Shirts nicht gefallen würden. Hätte ich ja gesagt, wäre das Spiel von vorn losgegangen. Also habe ich ihm gesagt, dass mir seine Shirts nicht gefallen und ich kein T-Shirt kaufen möchte. Da ich schon etwas genervt war, hatte ich einen leicht aufbrausenden Ton drauf. Sicherlich nicht hilfreich zur Völkerverständigung.

Ein anderes Beispiel ist das Personal in einer unserer Unterkünfte in Kandy. Sobald man eine Auskunft zu Sehenswürdigkeiten in Kandy haben möchte, bekommt man sofort in akzeptablen Englisch eine Tuk Tuk Tour angeboten. Für alles andere reichen die Englischkenntnisse leider nicht aus. Da fragen wir uns schon, wie ehrlich die Empfehlungen sein können.

Am schlimmsten bisher fand ich aber unseren Weg von Bahnhof in Kandy zu unserer ersten Unterkunft. In den 45 Minuten, die wir gelaufen sind, haben uns bestimmt 40-50 Tuk Tuk Fahrer gefragt, ob wir bei ihnen mitfahren wollen. Das war zu viel des Guten. Ich mag es nicht, als laufendes Geldbündel wahrgenommen zu werden. Daran muss ich mich vielleicht gewöhnen.

Das Ganze lässt die Freundlichkeit einiger Einwohner in einem merkwürdigen Licht erscheinen.

Jetzt aber genug gemeckert! Es gibt auch eine andere Seite der Medaille. Sobald die Tuk Tuk Fahrer merken, dass sie bei uns nichts holen können, helfen sie uns trotzdem, den Weg zu finden. Sowas kann ich mir in Deutschland gar nicht vorstellen. Auf der Straße sprechen uns Leute an, die uns den Weg zeigen oder einfach nur ein bisschen mit uns reden wollen. Unterwegs werden wir oft gegrüßt oder man winkt uns aus den Bussen oder von LKWs herunter zu. Generell wird uns oft ein Lächeln geschenkt, wenn uns Menschen entgegenkommen. Diese Herzlichkeit gegenüber anderen Nationalitäten wünsche ich mir auch in Deutschland.

Wir müssen nun den Spagat hinbekommen, zwischen höflicher und bestimmter Absage.

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Karen Lamb