Wie ich die Otago Peninsula auf eigene Faust entdeckt habe

Nach Lonely Planet gehört die Fahrradtour auf der Otago Peninsula zu den schönsten weltweit. Bei der Tagestour von 77 Kilometern habe ich außergewöhnliche Naturphänomene und spektakuläre Landschaften entdeckt. Weltweit ist es sonst nirgendwo der Fall, dass man in unmittelbarer Nähe einer Großstadt solch unberührte Natur mit seltenen Meeresvögeln und -Säugern beobachten kann.

Das Fahrrad als Alternative zur überteuerten Touristentour

Mein Fahrrad vor dem Modell der Otago PeninsulaVon Dunedin werden viele geführte Bus- und Bootstouren angeboten. Im Schnitt kosten diese um die 90 Dollar. Doch wenn du dich etwas informierst und die beeindruckende Halbinsel nicht unbedingt vom Wasser aus erkunden möchtest, gibt es bessere und dazu billigere Alternativen. Entdecke die unberührte Natur doch allein! Die einfachste Variante ist dafür natürlich das Auto. Wenn du jedoch wie ich noch mehr mit der Natur verbunden sein möchtest, kann ich dir die Erkundung per Fahrrad wärmstens empfehlen.

In der iSite von Dunedin habe ich mich schnell für den Fahrradverleiher iBike Hire entschieden, angerufen und ein Fahrrad für den nächsten Morgen bestellt. Für einen ganzen Tag bekommst du ein gutes Bike für 40 Dollar.
Nick, der Eigentümer des Ladens, war sehr freundlich und brachte mir pünktlich um acht Uhr morgens das Fahrrad bei meinem Hostel vorbei. Er checkte alles, damit das Rad auch gut für mich eingestellt ist und gab mir noch sehr hilfreiche Tipps. Auch wenn es in meinem Reiseführer so empfohlen wurde, sollte ich die Strecke in entgegengesetzter Richtung fahren und somit zuerst die Highcliff Road über die Berge und rückzu die flache Küstenstraße entlang des Otago Harbours nehmen. Für diesen Tipp bin ich ihm auch im Nachhinein noch sehr dankbar!

Los geht’s!

Das war nun meine Route für den Tag:

    Nachdem alles geklärt war, fuhr ich als erstes raus aus dem Zentrum Richtung Süden bis zur Victoria Road am St. Kilda Beach und von da an weiter nach Osten. An einem Golfplatz begann schon der erste Berg. Etwas zu steil für mich an diesem frühen Morgen, doch der Aufstieg hat sich gelohnt. Ich hatte einen wunderbaren Ausblick über die ganze Südstadt Dunedins und als Belohnung einen schöne Abfahrt zur Tomahawk Lagoon. Mit einmal hat die Landschaft sich völlig verändert und ich bin wieder in dem Neuseeland angelangt, das ich so liebe. Ich kam nicht darum herum einen kurzen Zwischenstopp einzulegen und meine Kamera rauszuholen. Wolkenbänder zogen langsam über die grünen Hügel, auf denen Schafe friedlich grasten und am Wasser tummelten sich Vögel verschiedenster Arten.

    Auf der linken Straßenseite sah ich ein Schild über Seelöwen stehen. Hier am Tomahawk Beach sollte es mitunter welche geben. Ich wollte noch unbedingt einen auf meiner Reise sehen, schloss schnell mein Fahrrad an und lief über einen kleinen Trampelpfad zum Strand. Einen Seelöwen entdeckte ich leider nicht, dafür einen herrlich breiten Strand mit feinem hellem Sand.

    Zurück auf der Straße ging es nun über die Centre Road vorbei am Smaller Beach und einen weiteren Anstieg hinauf. Von da hatte ich wieder einen genialen Blick Richtung Dunedin und über den gesamten Tomahawk Beach. Doch ein paar Meter weiter wurde es kälter und immer nebliger. Ich bin in eine Wolkendecke gelangt. Die Sonnenstrahlen verschwanden immer mehr und ich versuchte gegen den Wind schnell den Berg weiter hoch zu radeln. Als ich endlich die Highcliff Road erreichte, bog ich schnell nach rechts und sah nicht einmal das große Soldiers‘ Memorial, welches an dieser Kreuzung auf einen Hügel steht. Wahrscheinlich war es eh in Wolken verhangen.
    Ich folgte der Highcliff Road nach Osten und genoss die atemberaubende Aussicht über die Halbinsel und dem Otago Harbour.

    Den Umweg hätte ich mir sparen können

    Da ich nun ca. 2,5 Stunden unterwegs war und glaubte, fast ein Viertel meiner Route geschafft zu haben, entschied ich in Pukehiki meine geplante Strecke kurz zu verlassen und die Camp Road zum Larnach Castle zu nehmen.

    Das Larnach Castle ist ein schlossähnlicher Wohnsitz, wurde 1872 fertiggestellt und von dem Errichter William Larnach kaum betreten. Die von Neuseeländern gern als einzige Burg Neuseelands bezeichnete Villa ist heut mit eine der bekanntesten touristischen Attraktionen Dunedins.

    Als ich das Tor zum umliegenden Garten erreichte, wurde ich von einem Wachmann aufgehalten. Auch wenn ich nur die Burg kurz von außen sehen wollte, brauchte ich ein Ticket für den Garten. Da ich nun einmal hier war, bezahlte ich unwillig die 12,50 Dollar und schaute mir die Villa und den Garten im Schnelldurchlauf an. Im Vergleich zu Deutschlands Schlösser und Burgen war dieses Grundstück für mich nichts Besonderes. Die Zeit hätte ich lieber für die herrlichen Buchten und Strände genutzt.

    Zurück auf dem Sattel nahm ich wieder die gleiche Strecke bis nach Pukehiki zurück. Außer, dass man einen genialen Blick nach Dunedin hatte, war ich von der Asphaltstraße nun auch schwer begeistert.

    Einsame Buchten, weiße Sandstrände und lebende Steine

    Wieder in Pukehiki angekommen, nahm ich weiter die Highcliff Road bis zur Sandymount Road nach Osten. Die Straße war nun nicht mehr asphaltiert, ließ sich jedoch ganz gut fahren. An einer weiteren Kreuzung ging es nach links auf die Hoopers Inlet Road und ich konnte das Rad entspannt bis zum Wasser der Inlet Bucht rollen lassen.
    Ich folgte der Straße vorbei an kleinen Fischerhütten, stets immer am Wasser entlang. Komorane lauerten auf Pfählen vor den Bootshütten auf Beute. Ich war so begeistert von der beeindruckenden Landschaft, dass ich den starken Gegenwind kaum spürte.

    Am Ende der Straße angekommen, schloss ich mein Fahrrad auf einem kleinen Waldparkplatz ab und lief über die Dünen hinab zum Strand. Ich habe endlich Allans Beach erreicht. Der Autor meines Reiseführers war schon dreimal in diesem Naturschutzgebiet und hat immer Seelöwen vorgefunden. Nick vom Fahrradverleih gab mir den Tipp, dass ich links am Strand entlang bis zu den Felsen gehen soll. Dort würden sich eigentlich immer welche tummeln. Also los!

    Am Meer angekommen, war ich erst einmal total geflasht. Der unberührte Strand mit dem feinen, weißen Strand und dunklen, schroffen Felsen war noch viel schöner und größer als ich es mir vorgestellt hatte.
    Ich ging am Strand entlang Richtung den Felsen, immer offene Augen für Seelöwen, doch es war einfach keiner zu sehen. Schon etwas enttäuscht ging ich dennoch weiter, bis ich plötzlich fast über einen großen Stein gestolpert wäre… Ups, das ist ein schlafender Seelöwe!
    Total glücklich und etwas ängstlich zugleich sprang ich auf einen Felsen nebenan und holte langsam meine Kamera heraus. Ich begann ein Foto nach dem nächsten zu knipsen, bis ich plötzlich von etwas brüllendem unterbrochen wurde. An der Felswand hielten sich noch zwei Seehunde auf, welche anscheinend eine Auseinandersetzung hatten.
    Es war so beeindruckend ganz allein zwischen Seelöwe und Seehunden am Strand zu sitzen, ich wäre noch gerne länger geblieben. Leider hatte ich noch eine lange Tour vor mir, sodass ich mich wieder auf den Rückweg machte. Während ich noch schnell einige Fotos vom Strand knipste, wurde ich plötzlich aus dem Meer heraus angebrüllt. Ich hatte nicht mitbekommen, wie ein Seehund mich beobachtete und wartete, bis ich endlich fertig war und er aus dem Wasser kommen konnte.

    Um ihn nicht weiter aufzuhalten, lief ich zu meinem Fahrrad und nahm die Straße zurück zur Hoobers Bucht. Rechts bergauf ging es über einen Sattel zur nächsten Bucht, dem Papanui Inlet. Weiter am Wasser entlang fuhr ich bis zur Weir Road und über einen Berg nach Lower Portobello. Nun ging es weiter an der Küste des Otago Harbours entlang. Ich habe die Hauptstraße erreicht, welche von den meisten Touristen und Einheimischen genutzt wird. Vorbei war die Einsamkeit.
    Die asphaltierte Straße führt wenig später von der Küste weg und erreicht sie erst knapp wieder vor der Schiffsanlegestelle der Bootstouren. Von hier heißt es nochmal alle Kräfte zusammen zu nehmen und den letzten scharfen Anstieg auf das Plateau der Landspitze Taiaroa Head zu schaffen.

    Die Spitze der Otago Halbinsel – Taiaroa Head

    Auf dem Plateau angekommen, erreicht man einen großen Parkplatz vor dem Royal Albatross Centre und dem Leuchtturm. Auf beiden Seiten des Parkplatzes führen Wege weiter, welche an interessanten Beobachtungsplätzen enden. Folgt man den Weg links hinunter zum Pilots Beach, findet man eine Pelzrobbenkolonie. Schilder und eine Tribüne weisen dazu darauf hin, dass sich an diesem Strand auch eine große Kolonie der Blauen Zwergpinguine befinden soll. Da sie meist erst spät abends vom Jagen im Meer zurückkommen, nahm ich noch den anderen Fußweg auf der rechten Seite, welcher an die senkrechte Klippenwand führt. Von hier kann man auf die felsige Klippen unterhalb schauen und auch fliegende Königsalbatrosse beobachten.

    Um diese beeindruckenden Tiere jedoch aus der Nähe sehen zu können, muss man Eintritt für eine einstündige Führung zur Albatrosskolonie bezahlen. Da die Landspitze komplett mit Wolken behangen war und ich noch einen weiten Heimweg vor mir hatte, entschied ich mich gegen die 45$ Eintritt.
    Etwas mehr, als dass ich von den Albatrossen von einer großen Mauer getrennt war, ärgerte ich mich im Nachhinein, dass ich keine Zeit mehr für den Penguin Beach bzw. Penguin Place hatte.

    Etwas südlich von Taiaroa Head beginnt eine Straße, welche Richtung Osten zum Penguin Place führt. Hier kann man eine Kolonie von Gelbaugenpinguinen, den seltensten Pinguinen Neuseelands, beobachten. Der private Besitzer hat Gräben angelegt und Abdeckungen geschaffen, aus denen heraus und durch die man die Pinguine aus nächster Nähe beobachten kann. Allerdings muss man auch für diese Tour 52 Dollar Eintritt bezahlen.

    Heimkehr

    Ich war so geschafft, aber glücklich zu gleich, als ich mich wieder auf mein Rad setzte und den Heimweg antrat. Ich war Nick so dankbar, dass er mich davon überzeugt hatte, die Route andersherum zu fahren. Nun konnte ich das Rad größtenteils rollen lassen. Meine Beine schmerzten, mein Gesäß tat weh und ich wollte einfach nur noch nach Hause. Als ich die Küstenstraße am Otago Harbour entlang Richtung Dunedin fuhr, hatte ich nur noch einen Gedanken: „Sollte ich vielleicht den Bus nehmen oder Hitchhiken? Nein Bina, du packst das!“

    Und ich habe es geschafft! Nach 11 Stunden und knapp 80 Kilometern bin ich wieder heil an meinem Hostel im Zentrum von Dunedin angekommen. Auch wenn ich total erschöpft war, zählt dieser Tag definitiv zu den beeindruckendsten und wunderbarsten Tagen meines Aufenthaltes in Neuseeland und ich kann diese Tour nur jedem weiterempfehlen!

    Hast du auch einen ähnlich erlebnisreichen Tag erlebt oder kannst du mir noch andere faszinierende Radtagestouren empfehlen? Berichte doch davon in den Kommentaren. Ich bin gespannt!

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