Mit dem Zug durch China: Darauf musst du bei deiner Planung achten

Der Bahnhof in Peking: Startpunkt unserer Reise in den Westen Chinas

Bahnhof in Peking: Start unserer Tour nach Westen

Während meiner ersten Reise nach China im Jahr 2012 bin ich mit zwei Freunden von der Hauptstadt Peking mit dem Zug an die westliche Grenze gefahren. Innerhalb von drei Wochen gab es viele spannende Momente. In diesem Beitrag erzähle ich vom Alltag in chinesischen Zügen und erkläre dir, worauf du bei deiner Reiseplanung achten musst!

Unsere komplette Reiseroute durch China haben wir am Boden mit Zug, Bus und per Anhalter zurückgelegt. Allein mit dem Zug haben wir über 9.200 Kilometer bewältigt. Im Vergleich: Auf der Distanz kann man von Berlin nach Madrid Hin und zurück fahren, zweimal. Klar hätte man viele Strecken auch mit einem Flugzeug hinter sich bringen können. So haben wir aber viel mehr von der vielfältigen Landschaft gesehen und mehr Kontakt zu den Leuten gehabt.

Das richtige Ticket wählen

Der Bahnhof in Peking ist wie ein Flughafen organisiert: Eingang ins Gebäude nur mit Zugticket, Passkontrollen und Körperscanner. Die Züge sind sehr lang und haben unendlich viele Wagons. Man kann verschiedene Klassen buchen:

  1. Hardseat-Ticket für Kontaktfreudige: Die billigste Variante. Man teilt sich mit zwei anderen Personen eine Bank und einen Tisch. Für die langen Strecken nicht zu empfehlen, da man nur im Sitzen schlafen kann.
  2. Hardsleeper-Ticket für klassische Backpacker: Im Abteil sind jeweils drei Betten übereinander. Es gibt wenig Platz nach oben und die Matratzen sind entsprechend hart.
  3. Softsleeper-Ticket für Komfort- bzw. Sicherheitsbewusste: Die komfortabelste Variante im Zug. Vier Personen teilen sich ein Abteil, das man sogar abschließen kann. Für Sicherheitsbewusste sicherlich die beste Option.
Typisches Hardsleeper-Abteil

Typisches Hardsleeper-Abteil

Ich rate immer zum Hardsleeper-Ticket, da es die beste Mischung aus Komfort und Kontakt zu anderen Fahrgästen ist.

Sobald man mit dem Zug den Bahnhof verlässt, läuft das Personal durch die Abteile und tauscht die Fahrkarten gegen einen anderen Zettel ein. Vor der letzten Station macht man diesen Tausch wieder rückgängig. Den Sinn dahinter habe ich nicht wirklich verstanden. Während der Fahrt gibt es mehrfach Passkontrollen der Einheimischen. Nur wir mussten die Reisepässe nie zeigen: Scheinbar genießen Ausländer in dem Fall gewisse Privilegien.

Man muss unbedingt beachten, dass man Zugtickets frühestens zehn Tage vor Fahrtantritt buchen kann. Dadurch muss man eine gewisse Flexibilität mitbringen. Es ist nicht garantiert, dass man auf seiner Wunschroute tatsächlich noch ein Ticket bekommt. Dafür kommt man sehr günstig von A nach B, wie man in der Tabelle sieht.

Strecke Dauer Entfernung Preis Klasse
Peking nach JiaYuGuan 33:50 h  2.000 km 416 RMB (52 €) Hardsleeper
JiaYuGuan nach Urumqi 8:22 h  1.200 km 254 RMB (32 €) Hardsleeper
Urumqi nach Kashgar 28:36 h  1.500 km 345 RMB (43 €) Hardsleeper
Kashgar nach Turpan 33:00 h  1.400 km 164 RMB (20 €) Hardsleeper
Turpan nach Lanzhou 30:00 h  1.700 km 366 RMB (46 €) Softsleeper
Lanzhou nach Peking 29:30 h  1.500 km 208 RMB (26 €) Hardseat

Im Normalfall wirst du nicht im Zentrum einer Stadt ankommen. Im Gegensatz zu Europa sind die chinesischen Städte oftmals nicht um den Bahnhof herum gewachsen. Einen Bus ins Zentrum bekommt man aber ohne Probleme.

Der Alltag in chinesischen Zügen

In den Zügen gibt es natürlich Toiletten (=Loch im Boden, daher bei Zwischenstopps auf Bahnhöfen nicht zugänglich), Waschbecken und eine Trinkwasserversorgung. Je nach Zug hat man permanent Zugang zum Wasser oder in regelmäßigen Abständen wird Wasser gekocht, das man sich am Kessel abholen muss. Denke vor der Reise an hitzebeständige Becher, wenn du China auch auf den Schienen entdecken willst! Als Verpflegung eignen sich Instant-Nudeln, die man in jedem Supermarkt bekommt. Zwischendurch haben wir uns die Zeit mit Lesen, Schlafen, Gesprächen und dem Essen von Nüssen und getrockneten Früchten vertrieben. Während der Fahrt sind wir vorbeigezogen an Reis- und Baumwollplantagen, Lehmhäusern, Industrieanlagen, Müllhaufen am Straßenrand, Gebirgen, Kamelen, ausgetrockneten Flussbetten, schneebedeckte Bergen, …

Die endlosen Fahrten haben meditativen Charakter. Vom Fenster aus habe ich viel Armut im Land gesehen. Für mich war es in dem Moment absolut unverständlich, dass die EU während der Wirtschaftskrise von China Geld bekommen hat. Dabei könnte China damit doch das eigene Land nach vorn bringen. Das nenne ich Satire.

Unsere Reiseroute

Mit der Karte kannst du unsere komplette Reiseroute von 2012 verfolgen.

    Wenn du mehr über unsere Erlebnisse während dieser Reise erfahren möchtest, findest du am Ende dieser Seite weitere Beiträge dazu.

    Im Zug erlebt man die kulturellen Unterschiede hautnah

    Im Zug habe ich schnell die ersten kulturellen Unterschiede kennen gelernt. Das Essen wird in China in der Regel von einem lauten Schmatzen begleitet, nach dem Mahl wird laut Gerülpst und beim Niesen haben auch die umstehenden Personen etwas davon. Wenn einem Chinesen Sekrete im Rachenraum stören, dann werden diese eben auch sofort von da entfernt und auf den Boden gespuckt. Natürlich auch im Zug! Der Bodenbelag wird dann im Stundentakt mit einem Hexenbesen gleichmäßig verteilt. Wundert euch also nicht über entsprechende Hinweisschilder, wenn ihr in Länder wie Neuseeland reist.

    Der direkte Draht zur Bevölkerung hat aber auch viele positive Aspekte: Auf der Strecke von Urumgi nach Kashgar haben wir eine uigurische Familie mit zwei Kindern kennen gelernt. Die Jungs waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen und haben immer wieder neugierig nachgesehen was wir machen. Auch wenn wir uns gegenseitig nicht unterhalten konnten, konnten wir uns dennoch verständigen. Mit meinen Gratiszeitungen von der Airline haben wir schließlich zusammen Papierflugzeuge etc. gebastelt und mit den Kids gespielt. Auf dem Weg von Lanzhou nach Peking landeten wir inmitten einer großen Frauengruppe. Hier wurden wir herzlichst aufgenommen. Die Damen teilten ihren Proviant mit uns, haben uns beim Kartenspiel eingebunden und viele Fotos mit uns geschossen.

    Meine Empfehlung zum Schluss: Wer Land und Leute wirklich kennen lernen will, sollte mindestens eine Strecke mit dem Zug durch China zurück legen. Stelle dich unbedingt auf die Verhaltensweisen ein und beachte die Zehn-Tages-Frist bei der Ticket-Buchung! Welche Erfahrung hast du gemacht? Wie reist man am besten durch China?

    9 Kommentare

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    Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden.

    Werner von Siemens