Bist du bereit für diese 4 spektakulären Stationen in Xinjiang?

Die chinesische Provinz Xinjiang ist wohl die Gegend, in der man die wenigsten Erwartungen an das klassische China erfüllt bekommt. Das autonome Gebiet Xinjiang liegt im nördlichen Westen Chinas und wird von der uigurischen Kultur dominiert. Heute erzähle ich von meinen vier wichtigsten Stationen in Xinjiang.

Die Gegensätze in Urumqi

Die Hauptstadt Urumqi ist der erste Stop in Xinjiang. In unserem Hostel werden wir von einem Han-Chinesen auf Deutsch mit einem „Guten Tag“ empfangen. Das entlockt uns ein Schmunzeln. Direkt darauf folgt ein Hitlergruß. Das entlockt uns ein Entsetzen. Bis dato dachte ich immer, dass nur die Amerikaner eine wesentliche Wissenslücke zur deutschen Geschichte haben – aber offensichtlich ist das ein weltweites Problem.

Das Stadtbild von Urumqi empfand ich als sehr charakterlos. Absolut positiv überrascht hat mich aber die Herzlichkeit der Menschen in der Stadt und in den Parks. Im Volkspark zum Beispiel haben viele Menschen zusammen ihre Freizeit verbracht: Kartenspielen, gemeinsames Tanzen oder Thai Chi – alle Altersklassen kommen hier zusammen. Dazu hat mich der Charme von Tempelanlagen und die Verbindung zur Natur in den Parks fasziniert.

Wir treffen auf eine Gruppe Uiguren, die zusammen tanzen. Es ist ein Schauspiel, wie sich die Leute beim Tanzen freuen und generationsübergreifend zur gleichen Musik abfeiern. Als Highlight werde ich von einer älteren Dame zum Tanz aufgefordert. Schließlich nehme ich die Herausforderungen an, wobei ich jedoch kläglich versage und sämtliche Erwartungen enttäusche. Wahrscheinlich hat sich die Frau mit mir sehr gelangweilt. Wie auch immer: War eine witzige Aktion.

Nach einem köstlichen uigurischen Abendessen ziehen wir weiter durch die Straßen und sehen auch die erbärmlichen Verhältnisse in der Stadt. Auf dem Weg zu einer Moschee laufen wir durch ein Viertel mit verfallen Häusern. Auf Fotos hätte ich nicht geglaubt, dass da Menschen drinnen leben können. Die Häuser waren jedoch bewohnt und auf den Straßen spielten die Kinder. Die Kinder liefen sofort zu uns und wollten mit uns spielen. Großen Respekt flößten uns aber die meisten Erwachsenen am Straßenrand ein, die uns sehr feindlich beobachteten. Aufgrund der aggressiven Stimmung habe ich darauf verzichtet, Bilder von den Baracken zu machen und wir sind zügig weiter gegangen.

Ausflug zum Shipton’s Arch

Nach Urumqi sind wir nach Kashgar gefahren.  Von hier aus haben wir einen Tagesausflug zum Shipton’s Arch unternommen. Die Fahrt dahin war nur möglich mit einem Jeep inkl. Allradantrieb. Ein Tag vor unserem Ausflug gab es so heftigen Regen, dass einige Zufahrtsstraßen wie Mondlandschaften aussahen. Im Auto wurden wir kräftig durchgeschüttelt! Bei der Ankunft wird man von Einheimischen empfangen. Leider nicht aus Nächstenliebe. Die Herren wollen 30 RMB pro Person dafür kassieren, dass man ihre Treppen durch die Schluchten nutzt. Der Betrag ist überzogen, aber wir zahlen. Schließlich haben wir keine Ahnung, was vor uns liegt. Die installierten Leitern hat der starke Regen der vergangenen Tage mehrere Meter weggespült und verformt. Da zeigt sich, wie gefährlich der Regen hier sein kann.

Persönliche Empfehlung: Wer körperlich fit ist und etwas klettern kann, sollte auf die Gebühr verzichten und ohne die Treppen hochklettern. Man findet einen Weg!

Der Shipton’s Arch ist eine brückenförmige Felsformation, die im Chinesischen „Himmlisches Tor“ genannt wird. Wahrscheinlich ist der Shipton’s Arch der größte natürlich entstandene Bogen dieser Art. Mit etwa 365 Metern entspricht er etwa der Höhe des Empire State Buildings. Durch den Bergsteiger Eric Shipton wurde der Bogen 1947 erstmals im Westen bekannt. Daraufhin landete der Shipton’s Arch auch im Guinessbuch der Rekorde. Er wurde aber wieder daraus gestrichen, weil er nicht wieder ausfindig gemacht werden konnte. Erst im Jahr 2000 hat ein Team des National Geographic die Stelle wieder entdeckt.

Der Aufstieg zum Shipton’s Arch überrascht mit einer einzigartigen Ausblick! Keine weiteren Touristen sind da. Die Natur wirkt unberührt. Man kann gut an den Felsen klettern, Marienkäfer beobachten oder einfach nur in den Sonnenstrahlen entspannen. Wir genießen die Ruhe an diesem wunderbaren Ort für einige Stunden. Allein die Vorstellung, dass diesen Ort erst sehr wenige Menschen gesehen haben, versetzt mich in eine unbeschreibliche Euphorie. Dieses ultimative Freiheitsgefühl habe ich so zuvor noch nicht erlebt.

Über den Karakorum Highway zum Karakul-See

Auch von Kashgar aus fahren wir einige Tage später mit dem Bus über den Karakorum Highway. Auch wenn man die Straße Highway nennt: Teilweise fährt man über Schotterpisten. Mehrere Checkpoints unterbrechen unsere Reise. Auf der Route entdecken wir weinrote Berge. Nach circa fünf Stunden erreichen wir unser Ziel: Den Karakul-See in 3.400 Metern Höhe. Von kirgisischen Siedlern mieten wir für eine Nacht eine Jurte inklusive aller Mahlzeiten.

Der See ist wunderschön! Die schneebedeckten Berge spiegeln sich in dem kristallklaren Wasser. Man entdeckt vereinzelt Tiere, dafür aber kaum Touristen. Es ist ein ruhiger Ort. Nur auf die Kälte war ich nicht vorbereitet. Zum Glück gibt es in der Mitte der Jurte einen Ofen. Leider hält der nicht die ganze Nacht. Wer also die gleiche Tour unternehmen will, der sollte an warme Klamotten denken! Am Morgen bekommen wir zum Frühstück ein stark gesalzenes Tee-Yakmilch-Gemisch mit Brot. Gewöhnungsbedürftig!

Nach dem Essen wollen wir zurück nach Kashgar. Leider gibt es keinen freien Platz mehr in dem Bus, den wir nehmen wollten. Während wir unser Glück beim Anhalten von PKWs austesten, erleben wir zwei Männer am Straßenrand, die ein Schaf schlachteten und zerlegten. Auch per Anhalten kommen wir nicht zurück. Schließlich finden wir einen Jurtenbauer, der uns mit zurück nach Kashgar nimmt.

Der Schock in Turpan

Nach 31 Stunden Zugfahrt erreichen wir Turpan. Der Lonely Planet nennt die Region das Death Valley Chinas. Nicht zu unrecht. Bis zu 49,6 Grad Celsius wurden hier bereits gemessen. Dennoch wagen wir hier am nächsten Tag eine Fahrradtour durch die Wüstenlandschaft. Mit geliehenen Rädern ohne Gangschaltung fahren wir zehn Kilometer aus der Stadt heraus zur Ruinenstadt Jiaohe. Jiaohe liegt auf einem Felsplateau und zeugt von architektonischen Meisterwerken. Doch ein was schockt mich: Überall liegt Kot von Touristen! Wie kann es sein, dass die stolzen Chinesen ihre archäologischen Schätze so vollkacken?

Auf halber Strecke durch die Ruinen wird die Hitze unerträglich. Schließlich fahren wir mit dem Rad zurück in die Stadt. Kinder und viele Einheimische winken uns vom Straßenrand aus zu. Nachmittags fahren wir zum Emin Minarett, wo wir einen Gottesdienst vom Eingangstor aus beobachten können. Die Zeremonie zieht mich in den Bann, doch undisziplinierte Touristengruppen stören immer wieder die Atmosphäre. Hier an der Moschee bemerke ich, wie unterschiedlich der Islam interpretiert wird. Viele Gläubige machen uns im feindlichen Ton deutlich, dass wir uns verziehen sollen. Andere Gläubige gehen jedoch überaus freundlich mit uns um und deuten uns sogar an, dass wir mit in den Gebetsraum kommen sollen.

Xinjiang ist eine Reise wert

Die Zeit in der Region habe ich sehr genossen. Leider hatten wir meistens nicht genug Zeit, alles zu erkunden, wie ich es gern gemacht hätte. Dennoch habe ich viel gelernt über die uigurische Kultur, die Gegensätze in China und die Schätze unseres Planeten. Eine Reise nach Xinjiang kann ich also jedem empfehlen!

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